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01.10.2025
Lebenslauf besser darstellen
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In einer Welt, in der der Arbeitsmarkt zunehmend umkämpft ist, greifen einige Bewerberinnen und Bewerber zu einem altbekannten Trick: Sie "hübschen" ihre Bewerbungsunterlagen auf. Damit ist gemeint, dass der Lebenslauf oder das Anschreiben bewusst positiver dargestellt wird, als es der Realität entspricht – sei es durch kleine Übertreibungen, kreative Umformulierungen oder sogar das Erfinden von Fähigkeiten. Doch wo liegt die Grenze zwischen einer geschickten Selbstvermarktung und einer gefährlichen Täuschung? Und welche Auswirkungen kann das Aufhübschen der Bewerbungsunterlagen nach sich ziehen?
Was bedeutet aufhübschen?
Beim Aufhübschen der Bewerbungsunterlagen geht es in erster Linie darum, sich selbst im bestmöglichen Licht zu präsentieren. Grundsätzlich ist das legitim: Schliesslich möchte man mit seinen Unterlagen überzeugen und im Bewerbungsprozess positiv auffallen. Viele Ratgeber empfehlen daher, Soft Skills deutlich hervorzuheben, Erfolge klar zu benennen und Formulierungen zu wählen, die Fähigkeit und Engagement ausstrahlen.
Problematisch wird es allerdings, wenn die Grenze zwischen Optimierung und Unwahrheit überschritten wird. Wer ungefähr behauptet, fliessend Englisch zu sprechen, obwohl nur Grundkenntnisse vorhanden sind oder bei einem früheren Job eine Führungsposition angibt, die nicht existierte, betreibt keine blosse Verschönerung mehr sondern Täuschung.
Typische Methoden des Aufhübschens
Zu den häufigsten Arten, Bewerbungsunterlagen aufzuhübschen, zählen:
1. Übertreibungen bei Sprachkenntnissen
Aus "Grundkenntnissen" wird "fortgeschritten", aus "fliessend" wird "verhandlungssicher". Diese Selbsteinschätzungen sind subjektiv und genau deswegen verlockend für Manipulation.
2. Fiktive Weiterbildungen oder Zertifikate
Hier wird ein Onlinekurs zur offiziellen Fähigkeit erklärt oder ein Seminar, das niemals besucht wurde, einfach hinzu erfunden.
3. Umdeutungen von Tätigkeiten
Wer als Teammitglied mitgearbeitet hat, schreibt stattdessen von Projektleitung. Eine unterstützende Rolle wird zur Hauptverantwortung umdeklariert.
4. Lücken im Lebenslauf kaschieren
Arbeitslose Zeiten werden zu Sabbaticals, persönlichen Projekten oder Orientierungsphasen umetikettiert.
5. Gefälschte Referenzen oder Empfehlungen
Manch einer geht sogar so weit, sich selbst ein Empfehlungsschreiben zu erstellen und es unter einem erfundenen Namen zu unterschreiben.
Kurzfristige Vorteile ist ein trügerischer Erfolg
Zunächst kann das Aufhübschen durchaus funktionieren. Eine ansprechend formulierte Bewerbung mit beeindruckenden Inhalten kann die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch erhöhen. Besonders in großen Unternehmen, in denen einige Bewerbungen eingehen, ist der erste Eindruck oft entscheidend und dieser wird nun mal durch die Unterlagen geprägt.
In der ersten Runde des Bewerbungsprozesses bleibt eine kreative Ausschmückung oft unentdeckt. Auch im Vorstellungsgespräch kann es gelingen, die Illusion aufrechtzuerhalten, zumindest, wenn keine tiefgehenden Rückfragen gestellt werden oder die Angaben nicht überprüft werden.
Die möglichen Auswirkungen und Risiken
Doch spätestens im Job kann es gefährlich werden. Wer Fähigkeiten vorgibt, die nicht vorhanden sind, muss früher oder später liefern und wird dabei oft entlarvt. Die Folgen können gravierend sein:
1. Verlust des Arbeitsplatzes
Stellt sich heraus, dass das Bewerbungsschreiben auf Falschangaben beruhte, kann das ein Grund für eine fristlose Kündigung sein, sogar Jahre später.
2. Rechtliche Folgen
In speziell schweren Fällen, ungefähr bei gefälschten Zeugnissen oder Urkunden, kann es sich um Urkundenfälschung handeln. Dies ist eine Straftat, die mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden kann.
3. Rufschädigung
Wird eine Täuschung öffentlich oder innerhalb einer Branche bekannt, kann das dem Ruf dauerhaft schaden, vor allem in spezialisierten Berufsfeldern, in denen gute Kontakte zählen.
4. Vertrauensverlust
Selbst wenn keine formalen Folgen drohen, ist das Vertrauen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber oft irreparabel beschädigt. Das Arbeitsverhältnis steht dann dauerhaft auf wackligen Beinen.
Authentizität schlägt Täuschung auf lange Sicht
Tatsächlich wissen einige Personalverantwortlicher sehr genau, worauf sie achten müssen, um geschönte Bewerbungen zu entlarven. Unklare Zeitangaben, zu perfekte Formulierungen oder widersprüchliche Informationen im Lebenslauf wecken rasch Misstrauen.
Umgekehrt wird Authentizität zunehmend geschätzt. Wer ehrlich mit seinen Schwächen umgeht, sich jedoch gleichzeitig lernbereit und motiviert zeigt, hat oft die besseren Karten. Gerade Soft Skills wie Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und Problemlösungskompetenz lassen sich in Gesprächen und praktischen Tests besser beurteilen als durch geschönte Phrasen im Anschreiben.
Wie optimiert man Bewerbungsunterlagen seriös?
Wer seine Chancen auf eine Stelle erhöhen möchte, sollte stattdessen auf diese bewährten Mittel setzen:
Individuelles Anschreiben: Keine Massenbewerbungen sondern gezielt auf die Stelle und das Unternehmen eingehen.
Klarheit und Struktur: Ein übersichtlicher Lebenslauf mit klaren Angaben ist überzeugender als ein überladenes Dokument.
Ergebnisse statt Aufgaben: Erfolge und konkrete Beiträge zu Projekten sind aussagekräftiger als blosse Tätigkeitsbeschreibungen.
Ehrlichkeit bei Schwächen: Statt Lücken zu vertuschen, lieber erklären, was man daraus gelernt hat.
Weiterbildung zeigen: Auch private Weiterbildung (z. B. durch Online-Kurse oder Selbststudium) darf genannt werden, jedoch bitte ehrlich.
Aufhübschen ist ein riskantes Spiel
Bewerbungsunterlagen zu optimieren ist legitim, solange es bei der Wahrheit bleibt. Wer es allerdings mit der kreativen Selbstvermarktung übertreibt, begibt sich auf dünnes Eis. Kurzfristige Vorteile können langfristige Schäden nach sich ziehen. Authentizität, Klarheit und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung sind auf Dauer die besseren Mittel, um beruflich voranzukommen.
Statt somit falsche Fähigkeiten vorzutäuschen, lohnt es sich mehr, an den echten Fähigkeiten zu arbeiten, denn spätestens im Berufsalltag zählt nicht das, was auf dem Papier steht, sondern das, was man tatsächlich leisten kann. |
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